In einer Zeit, in der Cloud-Technologien dominieren, stellt sich oft die Frage: Ist On-Premises überhaupt noch relevant? Trotz des Trends zur Cloud setzen viele Unternehmen weiterhin auf lokale IT-Infrastrukturen und auch Experten empfehlen häufig keine reine cloud-only Strategie. Doch warum?

On-Premises-Lösungen bieten volle Kontrolle über Daten und Systeme, was besonders für Unternehmen mit hohen Sicherheits- und Compliance-Anforderungen entscheidend ist. Gleichzeitig bringen sie jedoch auch Herausforderungen mit sich – von hohen Investitionskosten bis hin zum laufenden Wartungsaufwand. Allerdings kann die Total-Cost-of-Ownership je nach Szenario sogar günstiger sein, als die gleiche Infrastruktur in der Cloud einer der Hyperscaler zu betreiben.

In diesem Artikel werfen wir einen detaillierten Blick auf On-Premises-Systeme, erklären die technischen Grundlagen, analysieren die Vor- und Nachteile und vergleichen sie mit Cloud- und Hybrid-Lösungen. Das Ziel des Artikels ist es, Unternehmen Orientierung und Ansätze zu geben, um zu bestimmen, wann On-Premises die richtige Wahl für dein Unternehmen ist – und wann nicht.  

Das Wichtigste in Kürze

  • On-Premises bedeutet: IT-Infrastruktur wird vollständig im eigenen Unternehmen betrieben.
  • Bietet maximale Kontrolle über Daten, Systeme und Sicherheit – ideal bei hohen Compliance-Anforderungen.
  • Hohe Anfangsinvestitionen und laufender Wartungsaufwand erfordern eine gut organisierte IT-Abteilung.
  • Hybrid-Modelle gewinnen an Bedeutung, da je nach Workload individuell entschieden werden kann.

1. Was bedeutet On-Premises?  

Der Begriff On-Premises (auch On-Prem oder seltener On-Premise genannt) bezeichnet eine IT-Infrastruktur, bei der Software und Hardware innerhalb des eigenen Unternehmens betrieben werden. Anstatt auf externe Rechenzentren oder Cloud-Dienste zurückzugreifen, werden Server, Netzwerke und Anwendungen direkt in den firmeneigenen Räumlichkeiten installiert und verwaltet.

Ein Unternehmen kann dabei selbst entscheiden, ob die IT-Infrastruktur intern gewartet wird oder ein externer IT-Dienstleister für die Wartung und den Betrieb verantwortlich ist.

Typische Komponenten eines On-Premises-Systems

Komponente Funktion
Server Zentrale Rechenleistung für Anwendungen und Datenverarbeitung
Storage (Speicherlösungen) Speicherung von Unternehmensdaten (z. B. NAS, SAN, RAID-Systeme)
Netzwerk Verbindet Server, Clients und andere Geräte im lokalen Netzwerk (LAN)
Datenbanken Verwaltung und Speicherung geschäftskritischer Informationen
Sicherheitslösungen Firewalls, Antivirensoftware, Verschlüsselung und Zugriffskontrollen
Backup- & Recovery-Systeme Schutz vor Datenverlust und Notfallwiederherstellung
Virtualisierung Ermöglicht das Ausführen mehrerer Betriebssysteme auf einer Hardware
Lizenzierte Software Anwendungen, die auf den eigenen Servern betrieben werden (z. B. ERP, CRM)

Ein funktionierendes On-Premises-System erfordert eine gut organisierte IT-Abteilung, da sowohl Hardware als auch Software regelmäßig gewartet, aktualisiert und abgesichert werden müssen.

2. Vorteile von On-Premises-Lösungen

Trotz des anhaltenden Cloud-Booms setzen viele Unternehmen weiterhin auf On-Premises-Systeme, häufig in einer hybriden Infrastruktur zusätzlich zur Cloud. Der Grund? Sie bieten entscheidende Vorteile, insbesondere in Bezug auf Sicherheit, Kontrolle und Unabhängigkeit.

Volle Kontrolle über die IT-Infrastruktur

Bei On-Premises liegt die gesamte IT-Infrastruktur in den eigenen Händen. Unternehmen haben die volle Kontrolle über:

  • Hardware und Serverkapazitäten – keine externen Abhängigkeiten
  • Software-Updates und Systemanpassungen nach eigenen Bedürfnissen
  • Datenhaltung und Speicherung innerhalb der Unternehmensgrenzen

Diese Kontrolle ermöglicht eine granulare individuelle Anpassung der IT an spezifische Geschäftsprozesse.

Höhere Datensicherheit & Datenschutz

Viele Unternehmen setzen auf On-Premises, um strenge Datenschutzrichtlinien und Compliance-Anforderungen zu erfüllen. Da alle Daten ausschließlich innerhalb des Unternehmens gespeichert werden, entfällt das Risiko, sensible Informationen bei externen Cloud-Anbietern abzulegen.

Zudem profitieren Unternehmen von höchsten Sicherheitsstandards, da sie die vollständige Kontrolle über Verschlüsselung, Zugriffsrechte und Sicherheitsrichtlinien behalten – vorausgesetzt die On-Premise Infrastruktur wird entsprechend gehärtet.

Ein weiterer Vorteil ist die reduzierte Angriffsfläche, da keine Abhängigkeit von Cloud-Diensten besteht und potenzielle externe Bedrohungen minimiert werden. Im Zweifelsfall ist es möglich eine On-Premises-Infrastruktur ganz oder teilweise ohne Verbindung zum Internet zu betreiben.

Eine besondere Variante davon sind sogenannte Air-Gapped-Infrastrukturen, die physisch von jeglichen anderen Netzwerken oder Internetzugang getrennt werden.  Besonders für Branchen mit hohen Sicherheitsanforderungen, wie das Gesundheitswesen, Finanzwesen oder Behörden, ist On-Premises eine bevorzugte Lösung, um sensible Daten bestmöglich zu schützen.

Keine Abhängigkeit von Drittanbietern

Bei Cloud-Lösungen hängt die Verfügbarkeit oft vom jeweiligen Anbieter ab, was Unternehmen in eine gewisse Abhängigkeit bringt. Im Gegensatz dazu bietet On-Premises bei richtiger Wartung eine stabile und eigenständige IT-Infrastruktur, die nicht von externen Dienstleistern beeinflusst wird.

Unternehmen müssen sich keine Sorgen über Cloud-Ausfälle oder die Insolvenz eines Anbieters machen, da die gesamte IT lokal betrieben wird. Zudem behalten sie die volle Kontrolle über Lizenzen und Software-Nutzung, ohne an die Preispolitik oder Vertragsbedingungen eines Cloud-Anbieters gebunden zu sein. Ein weiterer Vorteil ist die Kostentransparenz, da keine laufenden Gebühren für Cloud-Dienste anfallen. Diese Unabhängigkeit kann langfristig zu deutlichen Kosteneinsparungen führen und gibt Unternehmen mehr Flexibilität bei der Gestaltung ihrer IT-Strategie.

3. Nachteile und Herausforderungen von On-Premises

Obwohl On-Premises viele Vorteile bietet, gibt es auch einige Herausforderungen und Nachteile, die Unternehmen berücksichtigen müssen. Besonders die Kosten, der Wartungsaufwand und die Skalierbarkeit sind entscheidende Faktoren.

Hohe Investitions- und Betriebskosten

Der Betrieb einer On-Premises-Infrastruktur erfordert eine beträchtliche Anfangsinvestition, da Unternehmen die gesamte Hardware und Software selbst anschaffen müssen. Dazu gehören leistungsfähige Server und Speicherlösungen, die als Grundlage der IT-Umgebung dienen.

Zusätzlich müssen lizenzierte Software und Betriebssysteme erworben werden, um den reibungslosen Betrieb sicherzustellen. Auch die Netzwerk- und Sicherheitsinfrastruktur spielt eine entscheidende Rolle, um eine zuverlässige und geschützte Umgebung zu gewährleisten.

Neben diesen Einmalkosten fallen fortlaufende Betriebskosten an. Dazu gehören Wartung, Stromversorgung, Kühlung und IT-Personal, die für den reibungslosen Betrieb notwendig sind. Im Vergleich zur Cloud, bei der viele dieser Aspekte durch den Anbieter übernommen werden, können diese laufenden Kosten bei On-Premises erheblich höher ausfallen.

Cloud-Anbieter wie Microsoft oder AWS stellen häufig Total-Cost-of-Ownershio (TCO) Rechner zur Verfügung, um die Investitions- und Betriebskosten von On-Premises vs. Cloud zu berechnen. Diese sind aber nur eine Annäherung - viele Variablen sind zu bedenken. Erfahrene IT-Dienstleister können bei einem Vergleich von Cloud vs. On-Premises helfen.

Wartungsaufwand & IT-Ressourcen erforderlich

Da die gesamte IT-Infrastruktur intern verwaltet wird, trägt das Unternehmen die volle Verantwortung für deren Betrieb und Sicherheit. Dazu gehört die regelmäßige Installation von Updates und Patches, um die Systemstabilität und den Schutz vor Sicherheitslücken zu gewährleisten.

Ein kontinuierliches Monitoring und eine schnelle Fehlerbehebung sind essenziell, um Ausfälle zu vermeiden und eine hohe Verfügbarkeit sicherzustellen. Ebenso müssen zuverlässige Backup- und Notfallwiederherstellungssysteme implementiert werden, um Datenverluste zu verhindern und im Ernstfall schnell reagieren zu können. Diese Aufgaben erfordern ein gut ausgebildetes IT-Team mit dem entsprechenden Fachwissen, um eine sichere und reibungslose IT-Umgebung zu gewährleisten.

Skalierbarkeit und Flexibilität im Vergleich zur Cloud

Während Cloud-Dienste flexibel und bedarfsgerecht skalierbar sind, bringt das Wachstum bei On-Premises-Infrastrukturen oft Herausforderungen mit sich. Wenn mehr Rechenleistung oder Speicherplatz benötigt wird, muss zunächst neue Hardware angeschafft und installiert werden. Da die vorhandenen Serverkapazitäten begrenzt sind, erfordert jede Erweiterung eine vorausschauende Planung, um Engpässe zu vermeiden.

Zudem steigen die Kosten direkt mit der benötigten Leistung, da Investitionen in neue Server, Netzwerkinfrastruktur und Wartung notwendig werden. Diese Faktoren machen On-Premises für Unternehmen mit stark schwankenden Ressourcenanforderungen oft weniger flexibel als Cloud-Lösungen.

4. Vergleich: On-Premises vs. Cloud vs. Hybrid

Unternehmen stehen heute vor der Wahl zwischen On-Premises, Cloud oder einer hybriden Lösung. Jedes Modell hat spezifische Vor- und Nachteile, abhängig von den individuellen Anforderungen an Kosten, Sicherheit, Skalierbarkeit und Kontrolle.

Vergleich der drei Modelle

Kriterium On-Premises Cloud Hybrid
Kosten Hohe Anfangsinvestition, aber langfristig stabil Geringe Anfangskosten, aber laufende Gebühren Kombinierte Kostenstruktur
Sicherheit & Datenschutz Maximale Kontrolle über Daten Abhängig vom Anbieter Flexible Sicherheitsmodelle möglich
Wartungsaufwand Eigenverantwortung für Updates & Wartung Vom Anbieter übernommen Teilweise durch Anbieter verwaltet
Skalierbarkeit Begrenzte Skalierung, erfordert neue Hardware Hohe Skalierbarkeit on-demand Skalierbare Ressourcen mit lokaler Kontrolle
Flexibilität Feste Infrastruktur, schwer erweiterbar Hohe Flexibilität durch cloudbasierte Dienste Kombination aus festen und flexiblen Ressourcen
Verfügbarkeit & Redundanz Abhängig von eigener IT-Abteilung Hohe Verfügbarkeit durch Anbieter Hybrid-Redundanz möglich

Wann eignet sich welche Lösung?

On-Premises:

  • Wenn maximale Kontrolle über Daten & IT-Systeme erforderlich ist
  • Bei hohen Datenschutz- & Compliance-Anforderungen
  • Für Unternehmen mit stabilen IT-Bedürfnissen ohne hohe Skalierungsanforderungen
  • Für Großunternehmen, die große Skaleneffekte beim Betrieb eines eigenen Rechenzentrums erzielen

Cloud:

  • Wenn geringe Investitionskosten gewünscht sind und dies ggf. höhere Total Cost of Ownership rechtfertigt
  • Für flexible Skalierung und weltweiten Zugriff
  • Bei reduziertem IT-Wartungsaufwand

Hybrid:

  • Für Unternehmen, die Kernsysteme On-Prem behalten, aber Cloud-Dienste nutzen wollen
  • Wenn Flexibilität & Sicherheit kombiniert werden sollen
  • Bei Übergangsmodellen von On-Premises zur Cloud

5. Fazit: Wann ist On-Premises die richtige Wahl?

Ob On-Premises, Cloud oder eine hybride Lösung die beste Wahl ist, hängt von den individuellen Anforderungen eines Unternehmens ab. On-Premises-Systeme bieten maximale Kontrolle über Daten, Infrastruktur und Sicherheit, was besonders für Unternehmen mit strengen Datenschutz- und Compliance-Vorgaben vorteilhaft ist.

Allerdings sind die hohen Anfangsinvestitionen sowie die laufenden Kosten für Wartung, IT-Personal und Energie nicht zu unterschätzen. Zudem fehlt die Skalierbarkeit und Flexibilität, die Cloud-Lösungen bieten.

On-Premises eignet sich daher besonders für Unternehmen, die eine stabile, unabhängige IT-Infrastruktur benötigen und bereit sind, den höheren administrativen Aufwand in Kauf zu nehmen. Wer dagegen dynamische IT-Ressourcen, geringere Investitionskosten und weniger Wartungsaufwand bevorzugt, ist mit einer Cloud- oder Hybrid-Lösung oft besser beraten.

Letztlich ist die Entscheidung extrem individuell – sowohl auf Unternehmensebene als auch auf Ebene einzelner Workloads. Für manche Anwendungen ist die Cloud ideal, für andere bleibt On-Premises die bessere Wahl. Genau deshalb setzt sich zunehmend das Hybrid-Modell durch, weil es erlaubt, je nach Workload flexibel zu entscheiden, wo welcher IT-Betrieb am sinnvollsten ist.

Über den Autor:

Dorian beschäftigt sich seit 2011 mit Unternehmens- und IT-Strategie. Aufgrund der Endpoint Security Defizite vieler Unternehmen und der Informationsüberflutung hat er die Endpoint Strategie entwickelt. Dorian ist Mitgründer des Expertenzirkels "Endpoint Management" im IAMCP e.V.

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